Daten schützen

…soll oder muss ich meine Privatspäre schützen?

 

Oftmals hört man das Argument:
„Ach… es ist mir eh egal – die wissen doch eh alles – sollen die es doch wissen.“

Und ganz ehrlich – belügen wir uns mit dem Ausspruch „Ich habe doch nichts zu verbergen“ nicht selbst?

Wozu benötigen wir dann überhaupt noch Radarkontrollen, Steuerfahnder, Wirtschaftsprüfer, das Bankgeheimnis, die Schufa oder die Polizei? Jeder hat etwas zu verbergen, nur ist es vielen gar nicht bewusst, wie gläsern Sie durch ihr digitales Handeln werden.

Und wenn Sie nun wirklich sagen – „Ist mir egal“, möchte ich Ihnen die Schlussworte von George Orwells Roman 1984 in Erinnerung rufen:

„Aber nun war es gut, war alles gut, der Kampf beendet. Er hatte den Sieg über sich selbst errungen. Er liebte den Großen Bruder.“
(George Orwell, 1984)

Das bedeutet aber auch, dass es Ihnen dann scheinbar auch egal ist, vollkommen transparent zu sein.

Und was passiert, wenn nun jeder, sämtliche Informationen seines Gegenüber im 5G Netz blitzschnell abrufen könnte…?

 

Ihr Ranking, Ihr volkswirtschaftlicher Wert, im Social-Credit-System

Stellen Sie sich nun vor, es gibt eine Firma, die sämtliche Ihrer Daten erhält. Jeden Webseitenbesuch, jeden Klick, jede App, welche Sie installiert haben, sämtliche Bewegungsprofile Ihres Smartphones, sämtliche Einkäufe, etc.. Es würde ein detailliertes Bild Ihres (alltäglichen) Lebensablaufs entstehen.
Interessen, Hobbys, Schul- oder Berufserfolg, Vermögensverhältnisse, Gesundheits- und Beziehungsstatus, Delikte (Verkehrsdelikte oder sonstige Verfehlungen) – alles über Sie wäre abrufbar.

Im Film „Investment of Trust“ tritt dann dieses Szenario ein: Entweder Sie bezahlen einen monatlichen Beitrag, oder Ihr persönliches Ranking wird online gestellt:

Screenshot Investment of Trust

Bild nach dem Film „Invention of Trust“ von Alex Schaad

China prüft derzeit mehrere Modelle eines öffentlichen Social Credit Systems. Das bedeutet: Allen Bürgerinnen und Bürgern wird Ihr „Personal Credit Score“  – also sozusagen ihr volkswirtschaftlicher Wert per App mitgeteilt.
Ernährt man sich gesund, macht Sport, engagiert sich ehrenamtlich und lobt die Regierung, dann steigt der persönliche Scorewert.
Geht man bei rot über die Fußgängerampel, überschreitet man die Höchstgeschwindigkeit, lästert man gegen Politiker oder beteiligt man sich sogar bei einer Demo sinkt der Wert.

China-Social-Credit-System1   China-Social-Credit-System2

Mit einem zu niedrigen Personal-Score-Wert kann man dann keine Flüge mehr buchen oder Schnellzüge benutzen, den eigenen Kindern wird der Zugang zu besseren Schulen verwehrt oder man bekommt keine guten Konditionen für einen Kredit (oder erhält überhaupt keinen Kredit mehr). Ein System, dass in Teilen Chinas derzeit bereits getestet wird (vgl. z.B. Credit-Sesame).

Und Facebook scheint sich dieses Scoring-System bereits zum Vorbild zu nehmen:
https://www.verdict.co.uk/facebook-rating-score-china-social-credit/

 

 

Gesellschaftliche Folgen

Was sind die Folgen, wenn man weiß, dass jede Aktion am Smartphone, jede WhatsApp und jeder Webseitenbesuch analysiert und ausgewertet wird? Wenn man beobachtet wird, dann verändert man sein Verhalten. Wir wollen nicht, dass unser „naives“ Surfverhalten später negative Auswirkungen auf unser Leben hat. Also schränken wir unser Online- und Sozialverhalten ein – oder wollen Sie riskieren, dass auf der nächsten Party ein diskreditierendes Bild von Ihnen anschließend im Netz die Runde macht? Also gehen Sie besser nicht hin. Oder Sie klicken nicht auf bestimmte Links, besuchen besser nicht bestimmte Seiten im Netz…

Der dänische Netzaktivist und Privatsphärenforscher Tijmen Schep nennt dieses Phänomen „Social Cooling“:

„Wenn Algorithmen alles was wir tun bewerten, müssen wir das Recht auf Fehler schützen.
Wenn Big Data sich an alles erinnert, brauchen wir das Recht, dass unsere Fehler vergessen werden.“

 

Privatsphäre ist das Recht, nicht perfekt sein zu müssen!

Privatspäre ist das Recht, menschlich zu sein!

Quelle: socialcooling.de